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Olympionike des TSV Abensberg kämpft nach fast einem halben Jahr Pause in China. Bundesliga-Kollegen gastieren bei Neuling. Von Martin Rutrecht

Trainer Jürgen Öchsner hat Anschauungsunterricht beim Speedway genommen („Selbst würde ich mich nie auf eine Maschine setzen, ich habe heiden Respekt“): Vollgas – dieses Motto gilt auch für die Judoka des TSV Abensberg. Im Auswärtskampf am Samstag, 18 Uhr, beim JT Mannheim/Heidelberg will der Rekordmeister in der Bundesliga den nächsten Aufsteiger in die Knie zwingen. Schon am Freitag feiert Sebastian Seidl beim Grand Prix in China ein lang ersehntes Comeback.

Der 27-jährige Rio-Olympionike aus Pförring musste nach seinem herausragenden dritten Platz beim Grand Slam in Paris Mitte Februar eine unfreiwillige Pause einlegen. Beim Weltturnier in Frankreich hatte er sich eine Armverletzung zugezogen, die sich als hartnäckig erwies. „Ich wollte sie auch richtig ausheilen lassen, um nichts zu riskieren“, sagt der 66 kg-Athlet.

 

Die Jagd auf Tokio 2020 geht los

 

In Hohhot in China beginnt für ihn die Jagd auf Olympia-Quali-Punkte für Tokio 2020. In den vergangenen zwei Wochen stählte sich Seidl mit dem deutschen WM-Kader bei einem Trainingslager in Japan für den neuen Zyklus im Zeichen der Ringe. „Wir hatten Trainingseinheiten an zwei Universitäten. Die Japaner haben ein unglaubliches Reservoir an guten Athleten, es waren harte Tage auf der Matte“, so der Sportpolizist. Am Freitag um 4 Uhr Mitteleuropäischer Zeit startet das Turnier in China. Die Auslosung bescherte Seidl einen möglichen Weg ins Viertelfinale über die Nummer 11 und 20 der Weltrangliste. „Drückt mir die Daumen!“, sendet er in die Heimat.

Das Abensberger Aushängeschild fehlt seinen Bundesliga-Kollegen logischerweise am Samstag beim Auftritt in Eppelheim gegen das Judoteam Mannheim/Heidelberg. Der Neuling ist den Babonen nicht gänzlich unbekannt. Als sich der deutsche Rekordmeister 2015 in die Regionalliga zurückzog, traf man auch auf die Badener – und siegte deutlich. „Auch in der höchsten Klasse soll uns erneut ein Sieg gelingen“, sagt TSV-Manager Fabian Seidlmeier. „Die zwei Punkte sind Pflicht, auch in der Unterbewertung wollen wir möglichst hoch gewinnen“, ergänzt Trainer Öchsner.

 

Der Herausforderer steht nach drei Kämpfen in der Bundesliga Süd mit nur einem Zähler an vorletzter Stelle. „Unterschätzen darf man die Aufsteiger nicht, so rang Speyer zuletzt Vizemeister Esslingen ein Unentschieden ab – durchaus eine Überraschung“, mahnt Seidlmeier. Aber ein Stolperstein darf Mannheim/Heidelberg nicht sein. Die TSV-Truppe hat aus bisher zwei Duellen – beide gegen Neulinge – die volle Punktzahl erobert. „Bei einem Sieg würden wir auf Platz eins klettern, da Spitzenreiter Esslingen diesmal kampffrei ist“, so der Teamchef. Die Babonen pausierten zuletzt.

 

U18-Talent fordert TSV-Kapitän

 

Im Aufgebot des Gegners fehlen große Namen. Mit Jan Mollet, Jannis Hill und Sidney Mai verfügt Mannheim über ein paar starke junge Kämpfer. Ein riesen Talent bis 90 kg ist der U18-Judoka Luis Mai. „Aber für unseren Robert Dumke wird er keine Hürde sein“, sagt Öchsner über den Zweikampf mit dem TSV-Kapitän, der erneut eine rein deutsche Besetzung der Gäste anführt.

 

Neben Seidl fehlt bei Abensberg auch Benjamin Münnich (81 kg), der privat verhindert ist. Auch ohne das Duo „müssen wir uns nicht fürchten“, lächelt der TSV-Coach. Daniel Scheller, Philip Graf (beide 60 kg), Manuel Scheibel (66 kg), David Krämer (73 kg), Marc Odenthal, Dumke (beide 90 kg) und Dominik Gerzer (100 kg) sollen die erforderlichen Punkte für den Sieg holen. Der Mainburger Simon Glockner wird im Schwergewicht antreten.

 

Der Erzrivale kündigt sich an

  • Duell:

    Seinen nächsten Heimkampf bestreitet der TSV Abensberg in der Bundesliga am Samstag, 9. Juni, gegen den Erzrivalen TSV Großhadern. Die Münchner ließen bereits einmal Federn, zum Saisonstart in Esslingen.

  • Fortsetzung:

    Nur eine Woche später (16. Juni) gastieren die Babonen beim JC Rüsselsheim. Vor der Sommerpause steht dann am 30. Juni noch der Heimauftritt gegen JSV Speyer an.

 

„Wir geben auch den jungen Akteuren wieder eine Chance“, sagen Seidlmeier und Öchsner. Die Tuscher-Brüder, Ludwig Igl oder Philip Ohrt stehen parat. „Mit einer hoch konzentrierten Leistung darf es am Erfolg nichts zu rütteln geben. Unsere Jungs sind heiß und hoch motiviert.“

In mehr als 55 Jahren ist die Judoabteilung aus der wenig bekannten niederbayerischen Stadt Abensberg zu internationaler Bekanntheit gekommen. Wer heute die Judoabteilung bildet, was wir zu bieten haben und wie wir wurden, was wir sind und wer uns dabei zur Weite steht, ist in diesem Bereich zu finden.